Widerlegt und Überholt: Warum Triebtheorien in der Hundeerziehung keine Gültigkeit mehr haben
- Hundeschule unterHUNDs
- 7. Nov. 2023
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Feb.
Die Triebtheorie ist ein veraltetes Modell zur Erklärung des Hundeverhaltens. Sie geht davon aus, dass Hunde primär durch angeborene Triebe gesteuert werden, die als eine Art innere Energie verstanden werden. Diese Triebe – wie Jagd-, Verteidigungs- oder Sexualtrieb – sollen das Verhalten weitgehend bestimmen. Auch wenn diese Theorie einst als bedeutend galt, ist sie heute wissenschaftlich überholt.
Ursprung und Entwicklung der Triebtheorie
Die Idee, dass Verhalten durch innere Antriebe gesteuert wird, entstand bereits Anfang des 20. Jahrhunderts und wurde maßgeblich durch Konrad Lorenz und andere Verhaltensforscher weiterentwickelt. Diese Wissenschaftler beobachteten, dass Tiere bestimmte Verhaltensweisen unabhängig von äußeren Reizen zeigten und daraus schlossen sie, dass innere Triebe eine entscheidende Rolle spielen müssen.
Auch in der Psychologie fand eine ähnliche Denkweise Anwendung: Sigmund Freud entwickelte eine Triebtheorie, die menschliches Verhalten auf unbewusste Antriebe und Bedürfnisse zurückführte. Beide Ansätze – sowohl in der Ethologie als auch in der Psychologie – gelten heute jedoch als überholt, da sie die Komplexität von Verhalten nur unzureichend erklären.
Warum hielt sich die Triebtheorie so lange?
Obwohl die Triebtheorie mittlerweile wissenschaftlich widerlegt ist, wird sie in manchen Hundeschulen und Trainingsmethoden weiterhin verwendet. Dafür gibt es mehrere Gründe:
Tradition und mangelnde Weiterbildung: Viele Hundetrainer wurden selbst mit diesem Konzept ausgebildet und hinterfragen es nicht kritisch.
Einfachheit der Erklärung: Triebmodelle liefern scheinbar klare und einfache Begründungen für Verhalten, während moderne Theorien oft komplexer sind.
Vermarktung von Trainingsmethoden: Einige Trainer nutzen die Triebtheorie gezielt, um rigide Trainingsansätze wie Dominanz- oder Zwangsmethoden zu rechtfertigen.
Verwechslung mit Bedürfnistheorien: Während Bedürfnisse (z. B. Bewegung, Nahrung, soziale Interaktion) sehr wohl eine Rolle spielen, sind sie nicht mit den überholten Triebkonzepten gleichzusetzen.
Moderne Erkenntnisse: Warum die Triebtheorie überholt ist
Die moderne Verhaltensforschung hat gezeigt, dass Hundeverhalten durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren bestimmt wird. Dazu gehören:
Genetik: Hunde erben bestimmte Verhaltensneigungen von ihren Vorfahren, aber diese allein bestimmen nicht ihr Verhalten.
Lernen und Erfahrung: Hunde lernen aus ihrem Umfeld, aus Konsequenzen und durch soziale Interaktionen.
Emotionen: Hunde empfinden Freude, Angst, Frustration und andere Emotionen, die ihr Verhalten beeinflussen.
Soziale Bindungen: Beziehungen zu Menschen und Artgenossen spielen eine entscheidende Rolle im Verhalten.
Umwelteinflüsse: Die Umgebung, in der ein Hund lebt, formt seine Reaktionen und Verhaltensweisen.
Konsequenzen für das Hundetraining
Diese Erkenntnisse haben erhebliche Auswirkungen auf die Ausbildung und den Umgang mit Hunden. Wissenschaftlich fundiertes Hundetraining setzt auf:
Positive Verstärkung statt Strafe: Hunde lernen nachhaltiger und motivierter, wenn gewünschtes Verhalten belohnt wird.
Individuelle Trainingsansätze: Jeder Hund hat eine eigene Persönlichkeit und Lernweise, die berücksichtigt werden sollte.
Förderung von Selbstvertrauen: Statt Hunde durch Druck oder Angst gefügig zu machen, sollte Training auf Stärkung und Motivation setzen.
Woran erkennt man veraltete Trainingsmethoden?
Hundebesitzer sollten skeptisch sein, wenn Trainer oder Hundeschulen folgende Ansätze vertreten:
Starke Fixierung auf „Triebe“ als Erklärung für Verhalten (z. B. „Der Hund ist im Beutetrieb, deshalb zieht er an der Leine.“)
Dominanz- oder Zwangsmethoden („Der Hund muss unterworfen werden, um Respekt zu lernen.“)
Generalisierende Aussagen über alle Hunde („Jeder Hund hat denselben Jagd- oder Schutztrieb.“)
Veraltete Begriffe wie „Rangordnung“ oder „Alphawurf“